Die Sozialdemokraten in Öhringen!

 

Film: "Wenn du etwas verändern willst?"

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Die Gründung des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ ADAV im Jahre 1863 gilt als Geburtsstunde der SPD.

Nicht allzu groß war die Zahl der Zuschauer im Künzelsauer Prestige Kino und im Haus „An der Walk“ in Öhringen, als der Kreisverband der SPD Hohenlohe anlässlich des 150. Geburtstages der SPD den Film „150 Jahre SPD- Wenn du was verändern willst, …“ zeigte. Dabei hatte Christian König, der Leiter des Kreismedienzentrums Künzelsau, ein besonderes Schmankerl mitgebracht: Als Vorfilm zeigte er einen Schmalfilm von wenigen Minuten Länge, der eine Wahlveranstaltung mit Willy Brandt in Öhringen zeigte, als er im Jahr 1964 den damaligen Direktkandidaten der SPD, Pfarrer Siegfried Bassler, mit einer Kundgebung unterstützte und es sich nicht nehmen ließ, bei ihm zu Hause in Waldbach zu einem kurzen Kaffeebesuch mitzukommen.

Die Kandidatin der SPD für die diesjährigen Bundestagswahlen, Annette Sawade, verwies in ihrem Grußwort mit Stolz darauf, dass die SPD als einzige Partei auf eine Geschichte von 150 Jahren zurückblicken könne, in der sie nie ihren Namen wechseln musste, weil sie sich für ihr Handeln nicht schämen muss, sondern durchgängig für Demokratie, Freiheit und solidarisches Handeln sich eingesetzt habe, getreu dem von Franz Müntefering ausgegebenen Motto „Wenn du was verändern willst, was besser machen willst, dann musst du nicht abwarten, dass irgendwer kommt, der das macht, sondern musst selbst anfangen.“

Den langen Weg der SPD zu diesem Ziel stellte eindrucksvoll der sich anschließende Film dar. Mit zahlreichen Zeitdokumenten und erklärenden Kommentaren sozialdemokratischer Urgesteine wie Helmut Schmidt, Jochen Vogel, Erhard Eppler, und Franz Müntefering führt er im ersten Kapitel von der Gründung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins durch Ferdinand Lassalle 1863 in Leipzig bis zum Ende des 1. Weltkriegs 1918 und zeigt, wie wichtig für diese Zeit die Bildungsarbeit war, da nur, wer Bescheid weiß, die Welt versteht und seine Interessen vertreten kann mit dem Ziel demokratischer Teilhabe. Die schwierige Situation der Sozialdemokratie zu Beginn des ersten Weltkriegs, die mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten zur Spaltung führte, spart der Film nicht aus.

Die Zeit der Weimarer Republik ist Thema des zweiten Kapitels. Hervorgehoben werden die durch Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gewonnenen demokratischen Errungenschaften wie das Frauenwahlrecht, der 8-Stundentag, verstärkte Rechte der Gewerkschaften, das Streben nach europäischer Einigung als Grundlage einer Friedensordnung. Aufgezeigt wird der oft verzweifelte, im Nachhinein oft kritisierte Kampf der SPD, das politische Chaos dieser Zeit in Griff zu bekommen, was letztlich am Mangel überzeugter Demokraten scheiterte und die Nationalsozialisten an die Macht brachte, denen sich in der Debatte um das Ermächtigungsgesetz am 23. März 1933 im Reichstag nur noch die Sozialdemokraten wiedersetzten mit dem mutigen Satz ihres Fraktionsvorsitzenden Otto Wels: „ Leib und Leben kann man uns nehmen, aber die Ehre nicht“.

Das mühsame Ringen der Sozialdemokratie um Regierungsbeteiligung und Mehrheiten in der Zeit von 1945 bis 1969 wird im dritten Kapitel dargestellt. Die bittere Enttäuschung, aus der ersten Bundestagswahl nur als zweitstärkste Fraktion herauszugehen, die Auseinandersetzungen in der Opposition um die Einführung der Bundeswehr und den Eintritt in die NATO und die Entwicklung hin zur Volkspartei mit dem Godesberger Programm 1959 werden nachgezeichnet, verknüpft mit den großen Gestalten der Sozialdemokratie dieser Zeit, Kurt Schumacher, Fritz Erler, Carlo Schmidt, Erich Ollenhauer und schließlich Willy Brandt, der wie kaum ein anderer in der Parteigeschichte geschmäht, aber auch geliebt wurde.

Das letzte Kapitel gilt der Zeit von 1970 bis heute. Vor allem Egon Bahr, Helmut Schmidt, Sigmar Gabriel und Gerd Schröder zeichnen die Geschichte erfolgreicher sozialdemokratischer Regierungspolitik nach. Dass dabei die Leistungen Willy Brandts in der Ost- und Friedenspolitik als wichtiger Schritt zur Wiedervereinigung 1989 besonders hervorgehoben werden und der versöhnende Kniefall Brandts am Ehrenmal von Warschau herausgehobene Erwähnung finden, lässt die wertorientierten Zielsetzungen sozialdemokratischer Kultur und Denkweise erahnen und verstehen und leitet über zu dem, was nach wie vor Mittelpunkt sozialdemokratischer Arbeit sein soll: Demokratie in Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität.

 

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